Stadtkino muss sich neu erfinden

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Stadtkino muss sich neu erfinden

Bei Berns Kinos spielt die Musik künftig am Stadtrand – im Westside und in Muri. Die Kinokette Kitag setzt voll auf Multiplex-Kinos. In der Stadt werden nur sieben Säle übrig bleiben. Das ist bedauerlich. Es ist stimulierend, wenn man zu Fuss durch die Innenstadt streift, die Programmkästen studiert und ins entsprechende Kino geht. Und danach folgt vielleicht ein Cüpli oder ein Happen in einem Restaurant. Das Cinemax-Erlebnis funktioniert ganz sec: Mit dem Auto fährt man in eine nicht sehr stimmungsvolle Gegend, parkiert, zieht sich den Streifen hinein und fährt wieder nach Hause.

Man mag dies beklagen, und zweifellos führt der Exodus des Kinogewerbes zu einer Verarmung des innerstädtischen Freizeitangebots. Doch die Anbieter sind in diesem Strukturwandel nicht Treiber, sondern vor allem Getriebene. Wenn Kino im Zeitalter von Netflix, Streaming und Pantoffelkino rentieren soll, müssen Kosten minimiert werden. Ein Kino, in dem sich eine Kassenfrau, eine Garderobière, ein Vorführer und ein Platzanweiser um vier Gäste kümmern, war schon vor Jahrzehnten ein Anachronismus – und heute schlicht unmöglich. Moderne Reservierungstechnologien und ein Operateur, der allein zehn Säle bespielt, sind wohl die Zukunft, ob einem das gefällt oder nicht.

Ganz kinofrei wird Berns Innenstadt nicht. Quinnie, die andere Kinokette, hält die Stellung mit etlichen Häusern: ABC, Bubenberg, Club, Camera und Movie. Sie könnte die neue Lage nutzen, um die innenstadtaffine Kundschaft – auch reiferen Alters – in ihren Kinos besonders gut zu umsorgen, indem sich ein Kinoabend vom Stil her einem Theaterabend annähert. Vielleicht gäbe es in diesem Etablissement nicht nur Glace, sondern Cüpli, teure Mäntel würden nicht über die Lehne der vorderen Reihe geworfen, sondern ordentlich aufgehängt. Nach der Vorstellung würden die Gäste nicht in einen dunklen Hinterhof entlassen, sondern ins hell erleuchtete Foyer. Ansätze in diese Richtung gibt es bereits. Das Innenstadtkino ist nicht tot, aber wenn es eine Zukunft haben soll, muss es sich neu erfinden. (Der Bund)

Erstellt: 03.02.2018, 08:05 Uhr

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